Freundeskreis Lebendige Grafschaft e.V.

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» 24. Literaturmenü mit Georg Adler, 20. April 2016

„Noch’n Gedicht“ macht Heinz Erhardt unsterblich

Wenn er das noch erlebt hätte, er würde sich mit Dankbarkeit an die kurze Begegnung mit Georg Adler erinnern, der ihn einst auf Juist ansprach und scheu fragte, ob es erlaubt sei, ein kleines Gedicht von ihm - Heinz Erhardt - vorzutragen. Die lakonische Antwort von Heinz Erhardt: „Ja, aber erst wenn ich tot bin“.
Ja, und das hat Georg Adler gemacht, zur großen Freude der zahlreichen Besucher, die der Einladung des Freundeskreis lebendige Grafschaft zum kostenlosen 24. Kulturmenü gefolgt sind. Der Kulturraum im Lehrerhaus war bis auf den letzten Platz besetzt, zahlreiche Besucher baten vorab telefonisch um Reservierung. Das ist bei freiem Eintritt natürlich nicht möglich, aber der Freundeskreis hat sofort dafür gesorgt, dass auch der letzte Gast noch einen Platz bekam.
Günter Pfeiffer, seit 25 Jahren Vorstandsvorsitzender des Freundeskreis lebendige Grafschaft begrüßte Georg Adler mittlerweile zum 19. Mal und dann startete Georg Adler durch. Mit viel Feingefühl zeichnete er den Lebensweg des Multitalents Heinz Erhardt auf: 1909 in Riga im Baltikum geboren, aufgewachsen bei den Eltern der Mutter, die ihn kurz vor der Einschulung nach Petrograd, dem heutigen Sankt Petersburg, holte von wo er 1919 vom Vater mit ins Deutsche Reich genommen wurde. So wechselte Heinz Erhardt 15 mal die Schule und lernte durch die zahlreichen Ehen der Eltern 11 Großväter und 10 Großmütter kennen. Da blieb es nicht aus, dass er sich nicht zum besten Schüler entwickelte und dafür mehr seine Neigungen auslebte. Er parodierte die Lehrer und komponierte, hatte er doch bereits mit 4 Jahren bei den leiblichen Großeltern in Riga das Klavierspielen erlernt.

Seine humoristische Ader bekam schon früh Nahrung durch die unterschiedlichen Geburtsdaten. So konnte Heinz Erhardt sich rühmen, zweimal zur Welt gekommen zu sein. Das glauben Sie nicht? Na, ganz einfach. Nach dem russischen Kalender, der ja in Riga Gültigkeit hatte, kam er am 09 Februar zur Welt; die deutsche Zeitrechnung schrieb aber bereits den 20. Februar, nur beim Jahr 1909 war man sich einig.

Georg Adler rezitierte zahlreiche Gedichte die den Zuhörern ein Schmunzeln abverlangten und zu großem Applaus führten; was Adler sichtlich genoss. Er präsentierte die Geschichten vom Ritter Fips und sang den wohlbekannten Ohrwurm „Fährt der alte Lord fort, …“. Ja, der Abend war gelungen und bei der „Made“ sprach das ganze Publikum mit.

Ein Schlaganfall im Jahr 1969 bremste die Schaffenskraft Heinz Erhardt’s, obwohl er sich körperlich wieder erholte, war sein Sprachzentrum unwiderruflich zerstört. Er konnte zwar lesen, aber nicht mehr sprechen und das bedeutete für ihn den Rückzug aus der Öffentlichkeit. Heinz Erhardt hatte große Angst, vergessen zu werden. Aber wie wir alle wissen, war das vollkommen unbegründet. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, das man ihm nachträglich zu seinem 70. Geburtstag am 01. Juni 1979 verliehen hat. Nur vier Tage später starb Heinz Erhardt. Aber mit seinen Filmen und Gedichten hat er sich unsterblich gemacht. Georg Adler hat mit viel Empathie an diesen großartigen Künstler erinnert und drückte es sehr treffend aus: „Man darf Heinz Erhardt nicht übertrumpfen wollen, nur dem Publikum nahe bringen, ich leihe ihm dafür meine Stimme, dafür bin ich sehr dankbar“…

Lang anhaltender Applaus und lobende Worte von Günter Pfeiffer beendeten das 24. Kulturmenü und Georg Adler war sichtlich gerührt und machte das Publikum neugierig auf seinen nächsten Auftritt im Lehrerhaus. Also, man darf sich auf weitere Lesungen freuen. (B. Bass)


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