Freundeskreis Lebendige Grafschaft e.V.

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» Es ist geschafft!!

Zehn Jahre dauerte das Wort für Wort Abschreiben der Kirchenbücher von der evangelischen Dorfkirche zu Friemersheim.

Die evangelische Gemeinde Friemersheim

Die Friemersheimer Kirche, 1147 erstmals erwähnt, steht im Dorfkern von Friemersheim, unmittelbar am Hochwasserdamm auf dem Rheinvorland. Die Gemeinde wurde 1561 calvinistisch-protestantisch. Zu ihr gehörten die umliegenden linksrheinischen Gemeinden Bliersheim, Rumeln, Kaldenhausen und die rechtsrheinisch gelegenen Orte Wanheim und Angerhausen. Die Gemeindemitglieder der rechtsrheinischen Ortsteile mussten zu Besuchen der Gottesdienste oder zum Taufen der neugeborenen Kinder in kleinen Booten über den Rhein setzen. Im 18. Jhd. schlossen sich diese Gemeindemitglieder der Duisburger Kirchengemeinde (Salvator-Kirche) an. Die Ereignisse der Friemersheimer Kirchengemeinde, Geburten / Taufen, Heiraten und Sterbefälle / Beerdigungen, wurden seit 1641 in Kirchenbüchern erfasst bzw. es blieben diese von dem Jahr an erhalten. Daher beginnen auch unsere Erfassungen der Kirchendaten mit dem Jahr 1641.

Die Friemersheimer Kirchenbücher

Zehn Jahre intensive Arbeit und viel detektivischer Spürsinn war nötig, um die Friemersheimer Kirchenbücher von 1641 bis 1981 zu finden und in den Computer zu übertragen. Alle Geburts-, Heirats- und Todesdaten wurden dabei von den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Gruppe Ahnenforschung im Freundeskreis lebendige Grafschaft dokumentiert. Kirchenbücher sind Verzeichnisse über Taufen, Trauungen, und Beerdigungen, die vom Pfarrer meist in chronologischer Reihenfolge angelegt wurden. Die Eintragungen sind unabhängig vom Stand, Geschlecht und Vermögen gemacht. Kirchenbücher gibt es im deutschen Sprachraum seit etwa 1550. Die Aufschreibungen in den Friemersheimer Kirchenbüchern der evangelischen Dorfkirche beginnen im Jahre 1641 und erfassen Taufen, Heiraten und Beerdigungen der Dörfer Friemersheim, Bliersheim, Rumeln, der evangelischen Christen aus Kaldenhausen sowie der römisch-katholischen Christen aus Hohenbudberg und der rechtsrheinischen Gemeinden Wanheim und Angersheim, die bis 1803 zum Kirchspiel Friemersheim gehörten (später zur Salvator-Kirche). Diesen Schatz an Informationen wollte die Gruppe Ahnenforschung des Vereins Freundeskreis Lebendige Grafschaft heben. Es galt dabei, sämtliche Eintragungen der Kirchenbücher Eintrag für Eintrag in den Computer zu übertragen.

Die Vorbereitung und Durchführung dieses Projekts gestaltete sich schwierig. Das Problem: Die Kirchenbücher sind wegen der "alten" deutschen Schrift sehr schlecht lesbar. Die Pfarrer schrieben mit einem Gänsekiel bei Kerzenlicht, unterschiedliche Schriften, verwendeten Abkürzungen, deren Sinn heute nur schwer erschließbar war. Schwierigkeiten machten auch die niederrheinischen Vornamen (Beatrix = Baitze, Elisabeth = Setta, Matthias = Dheviß, Catharina = Trinken). Dann kamen 1796 die Franzosen und aus Angelika wurde Angelique und aus Stefan Etienne. Und einen anderen Kalender, den Revolutonskalender gab es auch. Die Arbeitsgruppe Ahnenforschung arbeitete daher in zwei Stufen und stets nach dem Mehrere-Augen-Prinzip: Der erste Schritt war die Transkribierung, also die „Übersetzung“ der Handschrift in eine lesbare Schrift. Dabei wurden alle Besonderheiten der Texte wie zum Beispiel die Schreibweise der Namen oder Ortsbezeichnungen beibehalten. Diese Abschrift wurde vom zweiten und manches Mal vom dritten „Mann“ im Team gegengelesen und korrigiert. Im zweiten Schritt wurden diese Abschriften dann von einer weiteren Gruppe mittels eines Verkartungsprogramms in einen Computer eingegeben. Die folgenden statistischen Angaben mögen eine Vorstellung über die ehrenamtlich geleistete Arbeit geben.

Ein wenig Statistik:

Es wurden:

0.032 Kirchenbücher bearbeitet, mit insgesamt etwa
4.400 Kirchenbuchseiten, davon wurden
2.600 Seiten von Mitgliedern der Gruppe selbst fotografiert.


Ausgesuchte Todesursachen (soweit eingetragen):
  Dysenterie Röteln Kindbett Totgeburt Pest Pocken ertrunken Epilepsie
1641-1740 94 2 32 61 30 16 17 0
1740-1765 49 1 7 3 0 13 5 0
1766-1799 169 5 10 48 0 49 6 162


Neben den Kirchenbüchern sind für den Ahnen- und Familienforscher auch Zivilrechtliche Dokumente von großer Bedeutung (Standesamtunterlagen). Diese stehen im Stadtarchiv Duisburg zur Verfügung bzw. die noch nicht freigegebenen in den entsprechenden Standesämtern.

Die im speziellen DV-System erfassten Daten wurden der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde übergeben, die diese in einer Edition herausgeben hat. In dieser sind die Kirchenbucheintragungen sowohl chronologisch wie auch alle Personen alphabetisch aufgeführt. Außerdem gibt es Ehepaarlisten, in denen die Eltern und ihre Kinder zu finden sind. Durch den Erwerb einer DVD können dann alle mit einem Computer arbeitenden Familienforscher auf die Eintragungen in den Friemersheimer Kirchenbüchern zugreifen. Zu beziehen bei:

Westdeutsche Gesellschaft für Familienforschung
Unter Gottes Gnaden 34
50859 Köln
www.wgff.de
,

zum Preis von € 24,-

Wenn wir buchstabengetreu abgeschrieben haben und sich dadurch ergab, dass Namen einmal so (Taufe), dann anders (Heirat), dann noch ganz anders (Beerdigung) geschrieben worden sind, so sind das keine "Fehler"! Falls jemand nicht sicher ist, dass wir "richtig" abgeschrieben haben, so möge er in den Archiven die Originale suchen und sich sein eigenes Bild machen. Wir möchten betonen, dass diese selbst gesuchte Aufgabe uns viel Freude gemacht hat und dass wir viel gelernt haben, indem wir tief in die Vergangenheit hineinschauen durften. Da sich Klaus Sefzig, mit seinen 80 Jahren zurückziehen möchte, wirddie Leitung der Gruppe ab 1. Januar 2015 von Frau Brigitte Baß übernommen.

Ahnenforschung










www.lehrerhaus-friemersheim.de