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» Die Zerstörung der evangelischen Kirche Friemersheim in der Nacht vom 21. zum 22. Mai 1944

Nach einer handschriftlichen Niederschrift von Pfarrer Pabst, wiedergegeben von Klaus Sefzig

Gegen 1.20 Uhr begann der Luftalarm, durch den Drahtfunk wurden starke Verbände nördlich Emmerich im Anflug auf das Ruhrgebiet gemeldet. Größte Vorsicht in Essen und Duisburg wurde angesagt. Bald darauf setzte schweres Flakfeuer ein. Die Nacht war stockdunkel, schwere Wolken bedeckten den nächtlichen Himmel, anfangs regnete es stark.

Die Pfarrerfamilie befand sich im Keller des Pfarrhauses, es dauerte wenige Minuten bis die ersten Bombeneinschläge gehört wurden, immer mehr und immer näher kamen die Detonationen der krepierenden Sprengbomben und Luftminen. deren ungeheurer Luftdruck durch den Keller fegte. Dass das Licht erlosch, Fensterscheiben zerklirrten, Kalk bröckelte von den Wänden, die Erde erbebte, das Ganze dauerte etwa 25 Minuten. In dieser kurzen Zeit war über Rheinhausen die Hölle los, ein Terrorangriff schlimmster Art suchte das ganze Gebiet heim.

Ich versuchte wiederholt mir einen Überblick über die Geschehnisse draußen zu verschaffen, der Himmel rötete sich vom Schein der überall auflodernden Brände, rings um das Pfarrhaus zündeten Brandbomben.

In einer Pause, als die Einschläge weniger wurden, eilten wir nach oben und löschten die einzige in das Pfarrhaus selbst eingeschlagene Brandbombe, die glücklicherweise auf den Plattenboden im Badezimmer gefallen war und dort keine Nahrung gefunden hatte.

Dann liefen wir zur Kirche, von der Treppe zur Orgelbühne schlug uns starker Rauch entgegen, im Eingang zur Orgelbühne hatte sich eine Brandbombe in den Fußboden eingefressen und brannte dort. Aus den bereitgestellten Bottichen haben mit Wasser gelöscht und die Stelle mit Sand bedeckt. So konnte dieser Brand eingedämmt werden. Ebenfalls wurde eine im linken Seitenschiff im Fußboden schwelende Brandbombe mit Sand bedeckt.. Die Kirche schien vor dem Schlimmsten gerettet.

Da bemerkte ich im Dachgeschoss des zur Rheinseite gelegenen Seitenschiffes einen starken Feuerschein, der sich immer schneller verbreitete und zum First emporzüngelte. Das war der Zeitpunkt, in dem mir klar wurde, dass wir mit eigener Kraft des Feuers nicht Herr werden konnten.

Da der Turmaufgang infolge der starken Rauchentwicklung nicht begehbar war, wollten wir mit Leitern von draußen an das Feuer heranzukommen. Bis die Leitern bei Lohmann und Winkelser geholt waren, war die Brandfläche noch größer geworden. Die gegenüber der Kirche in der Schule untergebrachten ukrainischen Kräfte der Luftschutzpolizei waren mit Löscharbeiten von Bränden in den eigenen Unterkünften, bei Schrooten, Platzen und Küppers beschäftigt.

Zwei von dem Führer dieser Gruppe abkommandierte Männer erklärten, das Feuer mit Wasser aus Eimern nicht mehr löschen zu können, es wurde dann ein Schlauch angelegt, aber der Wasserdruck war zu gering. So nahm das Unglück seinen Lauf.

Zwischendurch war zweimal bei dem Polizeirevier durch Melder Hilfe angefordert worden, die aber nicht gegeben werden konnte, da durch Häuserbrände alle Löschzüge in Anspruch genommen waren. So konnte es geschehen, dass innerhalb einer halben Stunde die ganze Kirche in hellen Flammen stand und bis auf den Grund niederbrannte. Nur die Sakristei blieb erhalten.

Der letzte Gottesdienst, ein Gefallenengedächtnisgottesdienst für den Oberfeldwebel Wilhelm Beiken und den Gefreiten Josef Lichtenberg, hatte am 21. 5. 1944 nachmittags 17.00 Uhr unter zahlreicher Beteiligung der Gemeindeglieder beider Konfessionen stattgefunden.

Der Ansprache hatte 1. Kor. 13.12 zugrundegelegen.

Am Schluß dieses Gottesdienstes klang von der Orgel auf Wunsch der Familie Beiken das Largo von Händel, vom Organisten Johannes Frenzen meisterlich vorgetragen. Während dieses Orgelspiels verharrte die ganze Gemeinde stehend in ergriffenem, betendem Schweigen

(Papst, Pfarrer)



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