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» Die Geschichte des Rheinhauser Stadtwappens

Reiner Sanner, Juli 2003
Bezirksamtsleiter in Rheinhausen seit 2010

Fast trotzig stellt es sich dem Ankommenden auf der Rheinhauser Seite der Brücke der Solidarität entgegen. Der Stadtbezirk präsentiert dem Besucher - dekorativ auf gepflegter Grünanlage postiert - in massiver Steinform das Wappen der früheren Stadt Rheinhausen, die noch in den 1960er Jahren im Wohlstand der Blütezeit von Kohle und Stahl von einer großen Zukunft träumte und doch schon wenige Jahre später ihre Selbständigkeit verlor.

Die „junge Stadt mit Zukunft“, wie Rheinhausen sich selbst gerne nannte, verdankte ihre Geburt einem Erlass des Preußischen Ministers des Innern vom 20.6.1934. Am 1. Juli 1934 wurde Rheinhausen mit Fackelsternzug, vielen anderen heroischen Veranstaltungen und dem am Ende jeweils unvermeid-baren Horst-Wessel-Lied die jüngste Stadt im „Dritten Reich“. Das war der Höhepunkt einer rasant aufstrebenden Entwicklung, die mit der Errichtung des Kruppschen Hüttenwerkes im Hochemmericher und Friemersheimer Rheinbogen um die Jahrhundertwende begonnen hatte.

Natürlich brauchte die stolze Stadt die üblichen Hoheitszeichen; Flagge, Wappen und Siegel. Und so wurde ihr auf entsprechenden Antrag das Recht zur Führung eines Wappens durch Erlass des Preußischen Innenministeriums vom 20. Februar 1935 verliehen. Die Einzelheiten zur Verwendung des Rheinhauser Stadtwappens wurden übrigens durch den von den Nationalsozialisten bereits 1933 inthronisierten Bürgermeister Kleinert in seinen Richtlinien vom 24. Juni 1935 konkretisiert, die - wie für die damalige Zeit üblich - „mit Zustimmung des Beauftragten der NSDAP“ erlassen wurden.

Das Wappen wurde in der weitgehend normierten Sprache der Heraldiker wie folgt beschrieben: „In golden über blau geteiltem Schilde oben ein roter schreitender Löwe mit einem Eimer in den Vorderpranken. Unten in Blau drei, 2:1, silberne Rosen“. Das neue Stadtwappen war die logische Referenz an die beiden Bürgermeistereien Friemersheim und Hochemmerich, die bereits im Jahre 1923 zu dem damaligen Amt Rheinhausen zusammengelegt worden waren, wobei der Hoch-emmericher Beitrag zum Wappen nur der Eimer zu dem bereits vorhandenen, das alte Friemers-heimer Rathaus schmückenden Wappen war. Das gemeinsame Wappen sollte symbolisch die weit zurückreichende Geschichte der beiden Ursprungsgemeinden des neuen Rheinhausen zum Ausdruck bringen.

Löwe und Rosen gehen auf das Wappen der Ritter von Friemersheim bis in das frühe Mittelalter zurück. Das in der Bayerischen Staatsbibliothek München vorliegende Wappen der Ritter von Friemersheim aus dem St. Hubertus Bruderschaftsbuch stammt aus der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts und ist mit Ausnahme einiger stilistischer Veränderungen an dem Löwen bereits nahezu identisch mit dem späteren Stadtwappen. Sind Löwen als majestätisch wirkende wehrhafte Tiere, neben Adlern, die häufigsten auf Wappen vorkommenden Tierfiguren und sind auch Rosen eine häufige Form pflanzlicher Darstellungen, so ist der Eimer in einem Wappen nur selten anzutreffen. Die Stadt Emmerich führt ihn noch heute als einziges Symbol in Weiß auf rotem Grund in ihrem Wappen. Die Begründung ist naheliegend: der „Emmer“ gibt der Stadt ihren Namen und er fand bereits in grauer Vorzeit Verwendung in örtlichen Kirchensiegeln. Rheinhausen hat sich in seinem Wappen, was die Hochemmericher Wurzel angeht, daran orientiert.

 

Nach der kurzen Zeit des eigentlich doch für Äonen gedachten „Tausendjährigen Reiches“ musste die Stadt Rheinhausen der Nachkriegszeit sich neu mit den Hoheitszeichen beschäftigen. Sie tat das, in dem sie mit der Hauptsatzung vom 27. Januar 1948 das alte Wappen übernahm. Weitere Einzelheiten regelte die „Ortssatzung für die Verwendung des Rheinhauser Stadtwappens“ vom 13. März 1951. Das Wappen wurde zudem in die Dienstsiegel integriert und es war ganz selbstverständlicher Be-standteil der Rheinhauser Stadtfahne.


Mit dem Tage der kommunalen Neuordnung am 1. Januar 1975 haben Löwe, Rosen und Eimer nunmehr endgültig ihre Bedeutung als Insignien Rheinhauser Obrigkeit verloren. Sie sind dennoch nicht ganz aus dem Blickfeld verloren, denn das alte Wappen ist nach wie vor in ganzer Pracht mit aufwendiger Bleiverglasung im Eingangsbereich des Rathauses am Körnerplatz zu bewundern. Und viele Briefbögen traditionsbewusster Rheinhauser Vereine oder Organisationen tragen es noch immer auf ihrem Papier. So mancher Rheinhauser bleibt halt mit Freude nostalgisch.


Quellen:
  • „Ein rechts schreitender roter Löwe“, Dieter Hangebruch in „Rheinhausen – Junge Stadt mit Zukunft“
  • „Kleine Wappenkunde“ des Hauses der Bayerischen Geschichte
  • Amtsakten der ehemaligen Stadt Rheinhausen zur Rheinhauser Hauptsatzung, zugänglich im Stadt-archiv der Stadt Duisburg
  • R.Sanner - Juli 2003
  • Ahnenforschung










    www.lehrerhaus-friemersheim.de