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» Die Kruppsche Posthilfsstelle in Rheinhausen

Antwort zum Rundbrief Nr. 88, Seite 160
von Klaus Steinhaus

Auf Initiative von Friedrich Alfred Krupp wurde 1895 die Planungen für ein Hüttenwerk aufgenommen, das auf der linken Rheinseite gegenüber Duisburg seinen Standort haben sollte. Den Ausschlag für die Wahl Rheinhausens haben seine Lage am Rhein, die vorhandenen Eisenbahnverbindungen und die Nähe der Kohlenbergwerke gegeben. Die Firma Krupp erwarb dafür in den Gemarkungen der Dörfer Bliersheim, Rheinhausen, Hochemmerich, Atrop und Friemersheim ein Areal von über 1000 Morgen. Bereits am 18. Dezember 1897 wurden die beiden ersten Hochöfen angeblasen.
Erst am 6.4.1923 entstand ein einheitliches Gemeinwesen, das die Größe des Werkes umfassen konnte, als sich die Gemeinden Hochemmerich und Friemersheim zusammenschlossen und der neuen Bürgermeisterei den Namen Rheinhausen gaben, das zuvor ein kleiner Ortsteil von Hochemmerich war. Am 1.7.1934 erfolgte die Verleihung der Stadtrechte.



Ansichtskarte aus Rheinhausen, gelaufen am 18.02.1904

Am 1. Oktober 1914 wurde in Rheinhausen neben der Friedrich-Alfred-Hütte ein besonderes Postamt eröffnet. Es handelte sich um eine Postagentur und die Amtsbezeichnung lautete Rheinhausen (Niederrhein). Diese Postagentur war dem Postamt Friemersheim zugehörig und Leitort war Duisburg (Amtsblatt des Reichspostamtes Nr. 89 vom 29.9.1914). Untergebracht war die Kruppsche Posthilfsstelle in einem heute nicht mehr existenten Gebäude auf der Kahlbergstraße 202 , nicht all zu weit vom Bahnhof Rheinhausen-Ost entfernt. Heute heißt die Straße Kruppstraße und der Standort befand sich in Höhe des Tor 1, direkt gegenüber dem Schlaf- und Speisehaus von Krupp. Die Postagentur Rheinhausen (Niederrhein) wurde mit Errichtung am 1.10.1914 mit Telegraphenbetriebsstelle, Unfallmeldedienst und einer öffentlichen Fernsprechzelle ausgestattet.

Durch den Zusammenschluß der Gemeinden Friemersheim und Hochemmerich 1923 zu Rheinhausen verfügte die Oberpostdirektion Düsseldorf am 4. August 1925 die Umbennennung der Postämter Friemersheim zu Rheinhausen(Niederrhein)-Friemersheim, Hochemmerich zu Rheinhausen(Niederrhein)-Hochemmerich und Oestrum zu Rheinhausen(Niederrhein)-Oestrum. Die Postagentur Rheinhausen (Niederrhein) wurde in Rheinhausen(Niederrhein)A umbenannt.

Während der Bemühungen um ein Zentralpostamt wurde den Postanstalten in Rheinhausen 1927 von der Oberpostdirektion lediglich Verbesserungen zugestanden, z.B. sollte die Paketpost für Rheinhausen-Hochemmerich mit einem Postauto gleich von Duisburg nach dem Postamt Hochemmerich und die für Krupp bestimmten Sendungen sollten von dort zur Postagentur Rheinhausen mit dem Postauto gebracht werden.



Ansichtskarte aus Friemersheim mit Poststempel der Kruppschen Posthilfsstelle Rheinhausen (Niederrhein), gelaufen 04.01.1915



Noch 1929 ist die Postagentur Rheinhausen mit ihrem damaligen Leiter, dem Postagenten Gerhard Bongartz, im Einwohnerbuch der Bürgermeisterei Rheinhausen aufgeführt. Doch noch im gleichen Jahre dürfte die Agentur verlegt worden sein, denn am 1. September 1929 wurde in der Schule Eisenbahnsiedlung am Verschiebebahnhof Hohenbudberg eine neue Postagentur mit identischem Namen eröffnet. Zum Agenten ist von der OPD Düsseldorf der Schuldiener Dobberich bestellt worden. Die Postzustellung in der Eisenbahnsiedlung ist vom 1.9.1929 ab dem Postamt Rheinhausen(Niederrhein)-Friemersheim zugeteilt worden. Eine zweite werktägliche Postzustellung in der Eisenbahnsiedlung wurde von der Oberpostdirektion abgelehnt. Anschließend wurde die Postagentur in der Eisenbahnsiedlung in das Bahnübernachtungsgebäude an der Uerdinger Str. 61 verlegt und vom Postagenten Peter Faßbender geleitet.

Da die neue Postagentur in der Eisenbahnsiedlung am 1. September 1929 die Amtsbezeichnung Rheinhausen(Niederrhein)A erhielt, kann davon ausgegangen werden, dass die Kruppsche Posthilfsstelle spätestens am 31. August 1929 geschlossen sein muß, denn zwei Poststellen mit der gleichen Amtsbezeichnung sind nicht möglich. Zudem erschien die Kruppsche Posthilfsstelle von da ab nicht mehr im Ortsverzeichnis I , die Postagentur in der Eisenbahnsiedlung aber sehr wohl.



Haupteingang (Tor 1) des Hüttenwerkes um 1920

Quellen:
  • Friedrich Albert Meyer: Rheinhausen im geschichtlichen Werden, Rheinhausen 1956
  • Heinrich Voss: Die Entwicklung des Fernmeldewesens in Rheinhausen, Duisburg 1977
  • Friedr. Krupp AG Essen a. d. Ruhr 1812-1912, Denkschrift 1912
  • Jahresberichte der Bürgermeisterei Rheinhausen, verschiedene Jahrgänge
  • Adressbuch der Bürgermeisterei Rheinhausen, verschiedene Jahrgänge
  • Amtsblatt des Reichspostamtes 1914
  • Reichspostzentralamt: Ortsverzeichnis I – Verzeichnis der Postämter und –amtsstellen, verschiedene Jahrgänge



  • Einschreibbrief mit Absenderfreistempel Francotyp A der Friedrich-Alfred-Hütte vom 02.05.1929
    mit Annahmestempel der Kruppschen Posthilfsstelle Rheinhausen (Niederrhein) A.
    Besonderer Dank an Albert van Schoonhoven vom Briefmarken- und Münzsammlerverein Rheinhausen-Homberg 38/72 e.V.
    zur Bereitstellung des Beleges.

     

    Schriftstück der Friedrich-Alfred-Hütte 1914 (Kopie: Historisches Archiv Krupp)

    Ahnenforschung










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