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» Eine Römerstraße durch Hohonberg?

Überlegungen zu einem Straßenverlauf in Duisburg-Homberg
von Friedhelm Maaßen

Vorab: Der folgende Text handelt von einer Beobachtung, daran anschließenden Fragen und Deutungsversuchen mit letztlich erstaunlichem Ergebnis.

Erörtert wird ein markanter Straßenverlauf in und bei dem heutigen Stadtteil Duisburg-Homberg, der sich wahrscheinlich bis weit ins frühe 1.Jahrtausend n.Chr. zurückverfolgen lässt. Abgesehen von der bewusst gewählten Ortsbezeichnung "Hohonberg", die neben "Hohemberg" für das später so genannte Homberg etwa zu Ende des neunten Jahrhunderts aufkam, werden zum besseren Verständnis die wenigen früher vorhandenen Straßen mit ihren heutigen Namen bezeichnet.
Zu Beginn der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde im damaligen Homberg-Niederrhein in langwieriger Arbeit das versumpfte Gelände nordöstlich der Hochfeldstraße trocken gelegt /1/ und in einen recht ansehnlichen, lang gestreckten Park verwandelt. Er zog sich von der nördlichen Ecke des gegenüber liegenden alten Friedhofs hinter den Grundstücken an der Hochfeldstraße entlang bis zur Ruhrorter Straße (Abb. 1 u. Abb. 6). Diese Gegend war bislang als "Onder den Huwen" und "Hakefeld" bekannt gewesen. ("Unter den Hufen" – Hufe als alter Begriff für 30 Morgen Ackerland). Auf den nun errichteten Straßenschildern stand der neue Name: "Am Alten Ufer". Man kann heute noch erkennen, dass hier vor langer Zeit der Rhein geflossen war und hier das Ufer gelegen hatte. Daran erinnert der neue Straßenname. Die Fortsetzung des Weges von der Ruhrorter Straße bis zur damaligen Gaststätte "Rheingarten" direkt am Rheinufer behielt die uralte Bezeichnung "Rheinstraße".



Abb. 1

•  Der nördlich der Hochfeldstraße gelegene Auestreifen „Onder den Huwen“ vor der Trockenlegung am Beginn der 1930er Jahre. Er ist der Überrest eines früheren Rheinbettes. Die im Hintergrund sichtbaren Häuser an der Hochfeldstraße liegen über dem ehemaligen (alten) Ufer. Der Geländeabfall ist auch heute noch gut zu erkennen. Nach Mohr, Heckes u. Maaßen (Anm. 1), 55.

 



Abb. 6

•  Ausschnitt aus dem Übersichtsplan der Gemeinde Homberg aus dem Verwaltungsbericht der Gemeinde Homberg/Niederrhein 1901-1909. Der Verlauf der alten Straßenverbindung von Baerl über Homberg weiter nach Essenberg ist im Bereich von Homberg schwarz markiert.

Diese Verwandlung einer unansehnlichen Fläche in eine moderne Grünanlage hat der Verfasser noch in guter Erinnerung, stand doch sein Elternhaus zwischen Hochfeldstraße und Altem Ufer. Ge schichtliche Zusammenhänge interessierten jahrzehntelang kaum. Berufliches hatte bis vor einiger Zeit Vorrang. Dann aber stellte sich bei Durchsicht einer Broschüre von Gottfried Krach/2/ mit bei gefügtem Homberger Übersichtsplan von 1830 (Abb.2) die Frage: Weshalb führen Hochfeldstraße, vor allem die von dieser abzweigende Straße „Am Alten Ufer“ und in dessen Verlängerung die Rheinstraße am Dorfrand entlang geradewegs zum Rhein? Die anderen Straßen dagegen zeigen das typische Bild einer allmählichen Entwicklung von lockerer Bebauung hin zur unauffälligen Dorfstruktur. Dass die Rheinstraße exakt zum Rhein führt und dort abrupt endet, ist jederzeit an Ort und Stelle zu überprüfen und mit dem dort vorbeifließendem Strom zu erklären.



Abb. 2

•  Homberg im Jahre 1830, nach G. Krach (Anm. 2). Verlängert man die Rheinstraße nach Osten (rote Markierung), so führt diese nach 3,6 km direkt in die Duisburger Altstadt.

Vermutlich führte sie früher noch ein Stück weiter in Richtung auf das gegenüber liegende Ufer. Dieser Teil wurde bei einer Verlagerung des Rheinlaufs fortgespült: sicherlich eine eindeutige, plausible Erklärung für diesen konsequenten Weg zum Strom. Jedoch überrascht, dass die Verlängerung des skizzierten Straßenverlaufs in Richtung Süd-Ost mit einer Entfernung von 3,6 km genau in die Duisburger Altstadt mit Rathaus und Salvatorkirche zielt(Abb. 5). Ist das Zufall oder gibt es eine logische Begründung dazu?



Abb. 5

•  Der Rhein bei Duisburg im 2. Jahrhundert n. Chr. nach H. Scheller (Anm. 12, 2 Abb. 1). Die ungefähre Richtung der den Rhein querenden römischen Straßenverbindung nach Duisburg ist gestrichelt in rot eingetragen, desgleichen ist der vermutete Platz des Kastells (nach Scheller) vermerkt.

Bevor eine kühne, noch nicht diskutierte Lösung versucht wird, soll dieser auffällige Wegeverlauf anhand von bekannten oder zumindest denkbaren Gründen erklärt werden. Sollte diese Straße ehemals der gemeinsame Kirchweg der Ruhrorter und Homberger Gläubigen zur alten Pfarrkirche in Halen gewesen sein, zumindest bis 1489, als Ruhrort eine eigene Pfarrkirche erhielt? Gab es damals in den beiden Orten so viele Kommunikanten, dass sich eine solche Straße aus einem Fußweg heraus entwickeln konnte? Nach Krach hatte Homberg 1634 etwas mehr als 100 Einwohner, die in acht Ortsteilen wohnten und nur zum kleineren Teil die ganze Straße als "Kirchweg" benutzten.

Im 17. Jahrhundert entstand der durch große Teile Norddeutschlands führende Straßenzug nach Potsdam: Kleve-Moers-Hochstraß-Homberg-Essenberg-Duisburg weiter in Richtung Kurbrandenburg. Auf ihm kam die Post von Westen über die Eichenstraße, die Kirchstraße und Friedhofsallee bis zur Hochfeldstraße, auf dieser zum Dorf und dann nach Essenberg zur Duisburger Fähre/3/. Die Straße „Am Alten Ufer“ wurde nicht befahren. Diese Linie war nach dem Dreißigjährigen Krieg eingerichtet worden, als unter dem Großen Kurfürsten eine schnelle und regelmäßige Postverbindung mit den weit entfernten Provinzen erforderlich wurde, hier also die Strecke nach Kleve. Jedoch entfallen davon nur 3,5 Kilometer auf die Durchfahrt Hombergs und Essenbergs (Abb. 3).



Abb. 3

•  Ausschnitt aus einer Karte der Grafschaft Moers aus dem Jahre 1672 von A. van Heurdt. Der Postweg Moers-Hochstraß- Homberg-Essenberg-Duisburg ist rot markiert. Die Straße führt unterhalb der Essenberger Fähre nach Duisburg weiter in Richtung Friemersheim und Hohenbudberg.

Es gibt hier auch keine mittelalterliche Handels- oder Heerstraße, da die für Homberg wichtige Nord-Süd-Verbindung dem Lauf der alten Römerstraße folgte, also über Moers-Hochstraß an Homberg vorbeiführte – ein wichtiger Hinweis von Herrn Dr. Hans.-Georg Kraume, Stadtarchiv Duisburg, der weiterführendes Material zur Verfügung stellte/4/. Diese und ähnliche Überlegungen führten zu keinem Ergebnis. Lag der Grund für den auffälligen Straßenverlauf etwa nicht im umrissenen Zeitraum, sondern wesentlich früher? Weiteres Material war also durchzuarbeiten, andere Spuren zu verfolgen. Hier bot sich zunächst der vielseitige Band über den Landkreis Moers aus dem Jahre 1926 an. Ludwig Mathar erwähnt dort in seinem Beitrag über die Kunstdenkmäler/5/, dass in Hohenbud

berg ein Nebenarm von der Römerstraße Neuss – Xanten nach Essenberg – Homberg und weiter nach Rheinberg – Menzel e n abbiegt. Führte diese Straße, auch eine "Römerstraße", zunächst nach Friemersheim und weiter zum Kleinkastell Werthausen (Ende 1. bis 3. Jahrh. n.Chr.) im heutigen Duisburg-Rheinhausen? In Friemersheim fand man schon im 19. Jahrhundert römische Funde auf dem Friedhofsgelände, die aber nicht erhalten sind; zuletzt 2006 im Bereich von Kirchhügel und Friemersheimer Straße Tuff- und Ziegelsteine und Keramikscherben aus dem ersten bis zweiten Jahrhundert n. Chr./6/. Ob es sich dabei um Reste einer Siedlung oder einer römische Straßenstation handelt – sie beweisen jedenfalls, dass mit einer römischen Straßenverbindung nach Friemersheim gerechnet werden muss. Wenn auch Erreichbarkeit des Kleinkastells Werthausen über den Strom, besonders für den Lastentransport, vorrangig war, so dürfte doch die schnelle, jederzeit von feindlicher Einwirkung ungestörte Verbindung über Land und damit durch eigenes Gebiet für das römische Heer sinnvoll erschienen sein. Ferner konnten nur von in Rheinnähe verlaufenden Wegen gegenüberliegendes Ufer und Hinterland beobachtet werden. Die alte Limestraße = heutige Römerstraße als direkte Verbindungsstrecke zwischen den Knotenpunkten Neuss und Xanten war dazu ungeeignet, da zu weit vom Rhein entfernt. Weil das Essenberger Bruch nach der Verlagerung des Stromlaufs im ersten Jahrhundert n. Chr. inzwischen passierbar war, ist dieser Straßenverlauf von Hohenbudberg über Friemersheim nach Werthausen – Essenberg - Homberg also möglich gewesen!

Von Essenberg führte sie weiter auf der Niederterrasse nach Homberg, wobei sie hier zunächst nach Nord-Ost und bald darauf nach Nord-West abknickt. Es geht weiter über Hochhalen, teilweise dicht am Rhein entlang, nach Baerl. Kelter bildet diese Straße in einer Skizze mit dem alten Rheinlauf ab, wie er einst am „Alten Ufer“ 1275 geflossen sein könnte, als ein großes Hochwasser zu einer Lauf veränderung des Rheines zwischen Homberg und Baerl führte (Abb. 4)/7/.



Abb. 4

•  Die Rheinverlagerung von 1275 zwischen Homberg und Baerl. Zwischen den ausgezogenen Linien der heutige Rheinlauf, in dem seit 1596 die Halener Kirche liegt. Die Rheinuferstraße von Baerl über Homberg wie sie auch heute noch existiert, wird von Kelter schon für diese Zeit als vorhanden angenommen. Nach E. Kelter (Anm. 7), 79.

An dieser Stelle ist es aufschlussreich, die Straßenführung einmal in entgegengesetzte Richtung zu verfolgen, bei Baerl beginnend nach Homberg. Weshalb biegt sie hier kurz vor Erreichen des Ufers nach Südwesten ab? Sie würde ohne Richtungswechsel bald am Rheinufer sein. Führte sie etwa früher vor der großen Verlagerung des Stromlaufs bei Essenberg wirklich geradeaus über das einst zu Homberg gehörende Kassler Feld zu einem Rheinübergang mit einem rechtsrheinischen Ziel(Abb. 3 u. 5)? H. Scheller datierte diesen Rheindurchbruch bei Essenberg um 1200. Nach neueren Untersuchungen von G. Krause ist dieser jedoch vor das Jahr 1000 zu datieren/8/.

Vermutlich handelt es sich um die von Mathar angeführte Römerstraße von Hohenbudberg über Homberg nach Rheinberg, am damaligen Rheinlauf entlang zur Verbindung der hier gelegenen Orte und zur Beobachtung und Sicherung der Grenze. Die Verlängerung der Straße „Am Alten Ufer“ über die Rheinstraße bis zum Rhein hin, ist ein Abzweig, der wohl ursprünglich über den Rhein führte.

Wie bereits erwähnt, weist die Verlängerung von Altem Ufer und Rheinstraße wohl nicht zufällig auf die Altstadt Duisburgs. Die Straße lässt die Dorfmitte eindeutig rechts liegen, strebt geradeaus zum Rhein. Nur der letzte Teil, die Rheinstraße, ist bebaut.

Es handelt sich hier wahrscheinlich um die älteste Straße Hombergs, deren östliche Fortsetzung bei der großen Verlagerung des Rheins weggespült wurde. Hier auf der hochwassergeschützten Anhöhe hatten sich ursprünglich wohl die ersten Siedler auf dem Homberger Kerngebiet niedergelassen. Gut überschaubar lagen weithin ihre Felder am Abhang auf einer schmalen Landzunge, die sich bis in die Nähe von Duisburg auf dem rechten Rheinufer erstreckte, dem später so bezeichneten Kassler Feld als Sporn zwischen dem weit nach Osten ausholenden Strom.

G. Krach vermutet die Erstbebauung "Hohonbergs" im Bereich von Hafen-, Mittel-, Ruhorter- und Rheinstraße. Tatsächlich war hier wohl die zweite Stufe der Besiedlung. Nachdem nämlich die Bewohner des östlichen Teils der Rheinstraße durch die große Flutkatastrophe vertrieben worden waren, dürften auch die übrigen in Erwartung weiteren Unheils den westlichen Teil der Rheinstraße dicht am steilen Abbruchufer verlassen haben, um wenige hundert Meter entfernt bei den bereits dort wohnenden Leidensgenossen ihre Häuser zu errichten. Ein Teil ihrer Felder lag nun jenseits des neuen Rheinlaufes und war nur durch riskantes Übersetzen mit Nachen zu erreichen, ein weiterer Teil war mit Kies und Sand bedeckt und endgültig verloren. Andere Flächen in der Niederung versumpften, der Rest war weggerissen worden.

Eine Notiz spricht für die Meinung, dass die ersten Bewohner Hombergs mit dem großen Unglück ihre Ansiedlung auf dem hoch gelegenen Teil der Rheinstraße aufgegeben und sich wenige hundert Meter entfernt niedergelassen hatten. P. Mast erwähnt in einem Beitrag über das Homberger Kloster /9/, dass um 1500, nach dem Bau der Kapelle, in unmittelbarer Umgebung einige Stroh- und Lehmhütten errichtet werden sollten, vermutlich für mittellose Neuansiedler. Hierzu mussten der zuständige Pfarrer von Halen und die "Hausleute" von Homberg ihre Genehmigung erteilen. Diese wohnten zwar in Homberg, aber nicht im Klosterbereich. Weshalb war ihre Zustimmung nötig, wenn sie nicht die Eigentümer der Grundstücke rings um das Kloster waren und deshalb gefragt werden mussten? Hier setzte vermutlich um 1500 die erneute Bebauung der Rheinstraße ein. Solange die Geschichte der Stadt Duisburg mit der Gründung eines fränkischen Königshofes im 8. Jahrhundert begann, konnte es keinen Zusammenhang zwischen einer Straße auf dem linken Rheinufer im Bereich des späteren Hombergs im ersten oder zweiten Jahrhundert n. Chr. und der ersten fränkischen Niederlassung im Raum Duisburg auf dem rechten Ufer geben. Erst die Entdeckung des römischen Brückenkopfes auf der rechten Rheinseite im freien Teil Germaniens an der Ruhrmündung in Alt-Duisburg in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und die sorgfältige Auswertung dieses wichtigen Befundes zeigt, dass die rheinübergreifende Verbindung zwischen beiden Ufern mindestens schon in römische Zeit zurückreichen muss/10/. Duisburg ist seit dem 1. Jahrhundert n.Chr. durchgehend besiedelt. Hier war im weiten Umkreis der einzige günstige Rheinübergang! H. Scheller hat die Situation treffend beschrieben/11/: „In die Rheinniederung ragte von Westen der Höhenzug des Kaßlerfeldes hinein und bildete inmitten der Niederung eine Anhöhe mit Verbindung zum linken Rheinufer, zu der die Entfernung vom Burgberg in Duisburg (heutiger Burgplatz) nur etwa 500 Meter betrug. Diese für den gesamten Niederrhein einmalig dastehende kurze Entfernung zwischen den beiden hochwasserfreien Ufern muss in hohem Maße zum Übersetzen an dieser Stelle gelockt haben. Man muss deshalb annehmen, dass nicht nur eine Siedlung auf dem Burgberg von Duisburg schon lange als Fährort auf dem rechten Rheinufer bestanden hat, sondern dass auch eine Siedlung auf dem Kaßlerfeld als Fährort auf dem linken Rheinufer gelegen hat. Das auf dem Kaßlerfeld vermutete römische Kastell hätte dann neben der Bewachung der Ruhrmündung auch die Fährstelle abzuriegeln gehabt. Möglicherweise sind hier römische Händler häufig über den Rhein gesetzt und haben im Duisburger Raum Handel getrieben…“

Im 2. Jahrhundert war der Weg durch das verlandende Essenberger Bruch möglich geworden und aus dem 2. Jahrhundert stammt auch ein Teil der jüngsten Friemersheimer Funde! All das lässt vermuten, dass der von Homberg nach Südosten abgehende Weg nicht nur zu den landwirtschaftlichen Flächen der dortigen Siedler ging, sondern als Stichstraße weiter zum römischen Vorposten auf der rechten Rheinseite führte.

Zwischen Homberg und Duisburgs römischem Brückenkopf lag vermutlich ein kleines Kastell/12/, wenige Meter höher als die Umgebung, etwa 1,3 Kilometer von Homberg und 2,4 Kilometer von Duisburg entfernt. Dieses soll später dem Gelände in der bis ins 10. Jahrhundert nach Osten ausbiegenden Rheinschleife den Namen "Kaßler Feld" gegeben haben. An der hochwassergeschützten Nordseite desselben führte vermutlich die Straßenverbindung Homberg – Duisburg vorbei. Wenn man einen befestigten Wachturm für ein solches Kleinkastell unterstellt, war von hier in der ebenen Umgebung ungestörter Ausblick möglich: Nach Süden floss der Rhein nahe vorbei, nach Südosten war das Duisburger Ufer im Bereich des Anlegers unterhalb des Burgbergs und in Ost richtung die Ruhrmündung zu überschauen und leicht zu kontrollieren. Nach Norden – über das spätere Homberger Werth hinweg – war der Stromverlauf, nach Einmündung der Ruhr nun in Ost-West Richtung führend zu beobachten. Gab es irgendwo außer hier am einzigen Rheinübergang einen besser geeigneten Platz für die Überwachung des Flusses vor und hinter der Ruhrmündung als von einem solchen Kastell aus, das sicher eine Anlegestelle für Schiffe besaß?

Die Skizze zu Abb. 5 basiert auf der Darstellung des Rheinverlaufs um das Jahr 200 von H. Schel-ler/12/. Sie wird durch den angenommenen Straßenzug der Römerstraße durch Hohonberg und die Stichstraße nach Duisburg ergänzt.

Auf diese Weise wurde das leistungsfähige und strategisch bedeutende Straßennetz des linken Niederrheins mit dem wichtigen rechtsrheinischen Knotenpunkt in Duisburg verbunden. Von hier aus führte die später als Hellweg bezeichnete Straßenverbindung nach Osten und gleichzeitig war der Anschluss an die durch den freien Teil Germaniens gehende Nord-Süd-Verbindung gegeben. Somit dürfte im ersten Jahrtausend n. Chr. die hier vermutete Verlängerung der Homberger Rheinstraße in Richtung Duisburg bis zum Fähr- und Schiffsanleger am späteren Schwanentor über lange Zeit durchaus mehr als lokale Bedeutung gehabt haben. Hier werden die Franken im 5. Jahrhundert nach Abzug der Römer den Rhein überquert haben, hier werden vermutlich später die Missionare und Sendboten von Abtei Werden und Stift Essen auf ihrem Weg nach Homberg und dem linken Niederrhein das Kaßler Feld passiert haben. Beide Klöster hatten schon früh in Homberg und seiner Umgebung ausgedehnte Besitzungen. Erst mit der großen Verlagerung des Rheinstroms noch vor dem Jahr 1000 kam das Ende dieser Straße von Homberg nach Duisburg, sie geriet in Vergessenheit.

Im Gegensatz hierzu ist der linksrheinische Verlauf der alten Römerstraße im Homberger Bereich, soweit er in Abb. 4 schematisch dargestellt wurde, für den Ortskundigen trotz aller Veränderungen des Wegenetzes noch gut erkennbar. Es ist nach wie vor die von Baerl kommende Straße, auf Homberger Gebiet die Hochfeldstraße. Hinter Minigolfplatz und Kombibad geht es links ab in die Parkanlagen "Am Alten Ufer". Diese sind inzwischen durch Vergrößerung der Kläranlage und Wohnbebauung in den letzten 60 Jahren erheblich geschrumpft. An der Ruhrorter Straße biegt die Römerstraße rechts ab und führt über die Augustastraße, sodann ein kurzes Stück über die Moerser Straße. Danach läuft sie links ab über die Duisburger Straße weiter nach Essenberg. Auf der Abb. 6 ist dieser historische und gleichzeitig aktuelle Verlauf gekennzeichnet.

Mit Absicht wurde dafür der Plan der Gemeinde Homberg von 1909 gewählt. Hier ist die Bebauung noch übersichtlich, die Hauptstraßen haben schon die gleichen Bezeichnungen wie heute. Weniger wichtig ist, dass ein Teil der damaligen Planungen zur weiteren Stadtentwicklung nicht oder in anderer Form umgesetzt wurde. Jedenfalls kann der heutige Homberger erkennen, an welchen Stellen er auf "römischen" Spuren wandelt!

Herrn Dr. Günter Krause, Niederrheinische Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichtsforschung Duisburg e. V. danke ich für wichtige Hinweise und Unterstützung bei der Erstellung druckfertiger Abbildungsvorlagen.

Anmerkungen:

•  Theo Mohr, Hans Heckes u. Karl Maassen, 4100 Duisburg 17, o.J. (1970?) Alt-Homberg in Wort und Bild.

•  Gottfried Krach: Ein Grafschafter Dorfbild im Wandel der Zeiten (Homberg/Niederrhein). Homberg/ Niederrhein, o.J. (1930?).

•  Hartwig Unverdorben: Die "verwechselte" Friemersheimer Fähre. Jahrbuch für Rheinhausen und Umgebung 1985/86, Duisburg 1985, 63-65.

•  Brief v. 26. 01. 2009 mit Erläuterungen und verschiedenen Kopien aus Scheller, Krause usw.

•  Ludwig Mathar: Der Landkreis Moers - Die Kunstdenkmäler. In: Der Landkreis Moers. Monogra phien deutscher Landkreise. Berlin 1926, 131.

•  Klaus Thiel-Klenner: Archäologische Funde in Friemersheim. In: Jahrbuch der linksrheinischen Ortsteile der Stadt Duisburg 2006/07. Duisburg 2006, 64 f.

•  Ernst Kelter: Chronik der Gemeinde Rheinkamp. Moers 1978/79.

•  Hans Scheller, Der Rhein bei Duisburg im Mittelalter. Duisburger Forschungen Band 1, Duisburg 1957, 77. Günter Krause, Archäologische Zeugnisse mittelalterlicher Schifffahrt aus der Duisburger Altstadt – eine erste Übersicht. In: Aspekte der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Festschrift für Walter Sage. Bonn 2003, 261 f. u.263 f.

•  Paul Mast: Das Franziskanerinnenkloster in Homberg, Heimatkalender für den Kreis Moers 1962, Moers 1961, 127- 130.

•  Günter Krause, Archäologische Zeugnisse zum ältesten Duisburg. In: Günter Krause (Hrsg.) Stadtarchäologie in Duisburg 1980-1990, Duisburger Forschungen Band 38, Duisburg 1992, 93-168.

•  Hans Scheller, Die Aakerfähre. In: Duisburger Forschungen Band 11, Duisburg 1968, 29 ff.

•  Hans Scheller, Die Frühzeit von Ruhrort. In: Duisburger Forschungen Band 14, Duisburg 1970, 1-8.

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