Freundeskreis Lebendige Grafschaft e.V.

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» Die ehemaligen Feldbrandöfen in unserer Gegend

Ein Beitrag von Klaus Sefzig

Vor der umfangreichen Bebauung der Dörfer in der Grafschaft Moers, als es also nur Bauernhöfe und einige Katen gab, verrieten große rote Flecken im frisch umgepflügten Boden den einstigen Stand der Ticheloeves (Feldbrandöfen). Sie waren die Werkstätte der meist dunkel gefärbten, rauen und ungleichmäßigen Ziegelsteine.

Vielfach können diese heute noch an den älteren Grafschafter Häusern gesehen werden. Jeder größere Bauer hatte seinen eigenen Feldbrandofen. Wenn er eine neue Scheune benötigte oder für seinen Nachwuchs gar ein Wohnhaus, suchte er auf seinem Gelände ein passendes Lehmgrundstück aus und holte sich Tichlersch (Ziegelbrenner) aus dem Westerwald oder Sauerland.

Quartiere wurden ihnen auf dem Heuboden angewiesen und eine kräftige, speckreiche Nahrung für die Vertragszeit stand auch zur Verfügung. Ein „Literken Fusel“ durfte auch nicht fehlen. Nach der Einnahme eines Tellers „Burepapp“ und einiger Stücke „Buckentekuck“ (Buchweizenpfannekuchen) ging es an die Arbeit.

Auf dem Lehmacker wurde eine Bretterbude mit Schilfdach errichtet, und die schwere Arbeit des Ziegelstechens konnte beginnen. Werkzeuge waren Spaten, Eimer und mehrere hölzerne Kastenformen in der Größe eines Ziegelsteines. Eine quadratische Grube wurde ausgehoben und in dieser der Lehm schön weich geknetet.

Dieses besorgten einige Männer, indem sie mit nackten Füßen den Lehm unter Zugabe entsprechender Wassermengen in eine breiige Masse verwandelten. Die Ziegelformen wurden mit dem Lehm gefüllt und glattgestrichen. Dann kippte man den Inhalt auf ein Trockenbrett aus. So wurden die Steine an der Luft getrocknet. Anschließend wurden sie kunstvoll mit Zwischenräumen aufgeschichtet. Es entstand ein ofenähnliches Gebilde, in dem Feuer angezündet wurde. Der eigentliche Brand konnte beginnen. Anfangs, wenn man weniger Hitze erzeugen wollte, qualmte das Gebilde wie ein Ungeheuer. Nach 7 bis 8 Tagen waren die Steine „gar“ und blieben nochmals so lange zum Abkühlen stehen. So hatten viele Bauern ihren Eigenbedarf gedeckt und konnten mit den überzähligen Steinen ein gutes Stück Geld verdienen.


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